40 Jahre Ford Capri

Medienecho aus 40 Jahren und drei Generation Ford Capri

Überschriften aus 40 Jahren – manche fett und plakativ wie aufschlagende Sahnetorten, andere messerscharf und feinnervig wie Skalpellschnitte am offenen Herzen, wieder andere so sachorientiert wie Bekanntmachungen im amtlichen Mitteilungsblatt. Gesammelt und gesichtet, sortiert und gebündelt bilden sie den Charakter des Ford Capri facettenreich und durchaus differenziert ab. Und unterhaltsam sind sie auch.

Ein Hauch von Muskeln und Kraft ist dabei , schrieb 1969 die „Berliner Morgenpost“ über den Capri, während die „Badischen Neuesten Nachrichten“ einen Volltreffer ins Herz der Sportwagenfans feststellten. Die „Bunte Illustrierte“ glaubte gar einen gezähmten Präriehengst zu erkennen – dem die „BZ Berlin“ eine Große Schnauze und viel dahinter attestierte.

Natürlich blieben die sechszylindrigen Modellversionen des Ford Capri vor naheliegenden Anspielungen nicht verschont. Sechsbombe nannte „auto motor und sport“ den 2300 GT kurzerhand, eine Einschätzung, die die „Cuxhavener Zeitung“ mit der Überschrift Temperament und bullige Kraft ebenso zu teilen schien wie die „Deutsche Auto Zeitung“ mit Heiße Waffe Capri . „Der Deutsche Arzt“ sah einen Hecht aus der blauen Grotte kommen, während „Praline“ den großen Verführer aus Köln ausmachte. „Die Welt“ beurteilte den Capri ähnlich – Der Schönling aus Köln ist ein Treffer . Als wahren Frauenversteher identifizierte der „Kölner Stadtanzeiger“ gar den Ford Capri und konstatierte in Person einer prominenten Testerin wohlwollend: Beim Capri wurde an Damen gedacht .

Registriert und formuliert wurden aber auch die beachtlichen Ausschläge, die der Ford Capri auf der Vernunftskala verursachte. Mit Ford Capri = sportlich und familiär machte die „Bergedorfer Zeitung“ eine stimmige mathematische Gleichung auf, während die „Gießener Allgemeine“ mit Echtes Coupé mit allen Vorteilen des Familienwagens den Charakter des Capri ebenso korrekt beschrieb wie die „Offenbach-Post“ ( Herr Jedermann sprintet mit der ganzen Familie) oder der „Böblinger Bote“ ( Sportlicher Pfiff, gepaart mit ausgewogener Bequemlichkeit ). Sogar „Die Bundeswehr“ kalauerte gänzlich unmilitärisch und überschrieb ihren Bericht mit Kölner Kassenhauer . Zum gleichen Thema bediente sich „Die Welt“ ausnahmsweise aus dem Sprachschatz der Friseurinnung: Täglich kaufen 200 Deutsche „vorn lang, hinten kurz“.

Unter schweren Wortbeschuss nahmen die Hüter der redaktionellen Sprachgewalt ihre Leser vor allem, wenn die Ikone der Capri-Fans, der RS 2600, in Worte zu fassen war. Die Granate titelte „ Bunte Illustrierte“, Obergeschoss die „ Deutsche Auto Zeitung“, Image-Rakete vom Rhein der „Kölner Stadtanzeiger“ und Bodenrakete die  „TZ München“. „auto, motor und sport“ generierte gar einen Superlativ mit Markenbindung – Fordissimo .

Auch den Testosteronspiegel trieb der RS 2600 in manchen Redaktionen in die Höhe. Ford Capri 2600 RS - der preiswerte Donnerbolzen schrieb beispielsweise „Hobby“ und Capri RS – die Explosionsmaschine der „Wiener Kurier“. „Public Frankfurt“ hieß den Leser willkommen Im „Club 200“ nur für harte Männer, die  „TZ München“ enttarnte den Capri 2600 RS gar als eine echte Männerfalle , deren Kraft und Herrlichkeit („Sport Auto“) zupackende Fäuste braucht („Die Welt“).  

Nachfolger von Volkshelden, wie der Capri I sicherlich einer war, haben es oftmals schwer, deren breite Spuren auszufüllen. Dass Ford mit dem 1974 vorgestellten Capri II der Balanceakt aus Bewahren und Erneuern aber geglückt war, zeigte der Widerhall aus dem Medienwald. Die „ Allgemeine Zeitung Goesfeld“ beispielsweise komprimierte in eine – zugegeben monumentale – Überschrift, wozu andere spaltenweise Textraum benötigen und schrieb: Beim Capri II wurde vernünftiges Neues mit bewährtem Alten zusammengefasst . Bildhafter, aber ebenso gehaltvoll drückte es die „Auto Zeitung“ aus: Alter Kern in neuer Schale .

Auch die optischen Veränderungen gingen durch beim Publikum. Bewährter Umsatzrenner im schicken Maßanzug begrüßte die „Augsburger Allgemeine“ den Neuen wohlwollend. Auch die „Wiener Presse“ machte Komplimente: Familiengerecht und doch Coupé geblieben , was die „Kehler Zeitung“ bestätigen konnte – Neuer Ford Capri II imponiert durch Eleganz . Ford Capri II: schick und ausgereift notierte das „Main-Echo“ im knapperen Nachrichtenstil, während die Redakteure des „Kicker“ nach ausgiebigen Erprobungsfahrten ihrer Begeisterung freien Lauf ließen: Capri II schlug ein! Über 4000 km waren ein einziges Vergnügen!

Ein neues Praxismerkmal und gern genutzter Wortspiel-Animator war die Heckklappe des Capri II – Mit weicher Linie und großer Klappe („Mindener Tageblatt“) und Der Flotte mit der großen Klappe („Neue Revue“) stehen stellvertretend für die in diesem Zusammenhang wohl meistbenutzte Metapher. Andere wiederum stellten Image und Fahrdynamik in den Fokus. Einen Salon-Löwen auf leisen Sohlen nennt beispielsweise die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ den neuen Capri, ein echtes Fahrerauto die „Oldenburger Nordwest-Zeitung“ und die „Südwest-Presse Ulm“ sieht in ihm gar einen Lichtblick am Horizont: Capri II – Hit in der Flaute.

Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis – und zwar im wahrsten Sinn des Wortes –, wird immer wieder herausgehoben. Vor allem das der Dreiliter-Topversion. Stilvoll, schnell, sparsam – viel Auto fürs Geld befindet „Die Welt“, das Schwesterblatt „Welt am Sonntag“ geht noch tiefer ins Detail und rechnet vor: 200 km/h Spitze für 17000 Mark . Der  „Stern“ kann sich da nur anschließen: Viel Dampf fürs Geld .

Mit dem dritten und finalen Capri-„Schuss“ trafen der Kölner Autobauer abermals ins Schwarze. Sportliche Fahrer liegen mit diesem Coupé gut im Rennen , befand nämlich die „Augsburger Allgemeine“ und die „Deister Weserzeitung“ pflichtete bei: Der Capri ´78 ist alles andere als ein Blender. Auch mit der Auswahl von Adjektiven konnte Ford zufrieden sein: Sportlich, formschön, zuverlässig meinte  „Auto-Test“, Bullig, sportlich und alltagstauglich die „Fußball-Woche“.

Und die „Neue Ruhr-Zeitung“ zeigte, dass selbst ein facettenreicher Produktcharakter in einer Überschrift Platz finden kann: Ein Spitzensportler macht in Familie - der Dreiliter-Capri ist ein Auto zum Vorzeigen. Womit das Wesentliche gesagt war.

Naturgemäß entfachten wiederum die Top-Versionen, der Dreiliter und der spätere 2,8i, ein besonders leidenschaftliches Rauschen im Blätterwald. So weit wie „auto motor und sport“, das dem Capri III ( Ford forte ) offenbar starke Heilkräfte zubilligte, gingen nicht alle. Über seine Wirkung als automobiler Freudenspender waren man sich allerdings weitgehend einig: Ob Ford Capri 2,8 Injection – rassige Sportlichkeit („Frankfurter Neue Presse“), Sportliches Kraftpaket („Fränkische Nachrichten Tauberbischofsheim“), Renner aus Köln mit dem Bullenherz („Fränkisches Volksblatt“), Freude durch Stärke („Fuldaer Zeitung“)  oder Sprinter mit Komfort und Klasse („Rhein-Neckar-Zeitung“) – schöner kann man es doch nicht sagen!  

02.04.2009 / Ford

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