40 Jahre Ford Capri

Capri III (1978-1986)

Ein neues Gesicht – und jeder Menge Power

Im März 1978 stellte sich die dritte und letzte Generation des Ford Capri vor – auch wenn es sich beim Projekt „Carla“ nach Ford Definition lediglich um eine Modellüberarbeitung des Capri II handelte.

Wie dem auch sei: Der Capri ´78 reckte stolz eine neue Bugpartie mit Halogen-Doppelscheinwerfern und leichtem Fronthauben-Überhang in den Wind, der zusammen mit einem integrierten Frontspoiler die Aerodynamik spürbar verbesserte. Ebenfalls neu war die bis an die Radauschnitte geführte Stoßstange (die wurde noch immer so genannt, der elegantere Begriff „Stoßfänger“ war noch nicht geläufig).

Von der Studie „Modular Aerodynamic“ mit aerodynamisch effizienter „Droop-Snout“-Front, die Ford als Vorboten des Capri III auf dem Genfer Automobilsalon 1976 präsentiert hatte, war der nach dem Versperrungsprinzip arbeitende Lamellen-Kühlergrill in das Serienmodell übernommen worden. Auch dem Fahrwerkskapitel hatten sich die Ingenieure mit Hingabe und Feingefühl gewidmet, wie der Presstext überzeugend darlegte:

[…] Das Fahrwerk des Ford Capri, im Rennsport mit Erfolg erprobt, ist auf vitale Motorleistung und hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Es besitzt eine Vorderachse aus Federbeinen, die durch Querlenker geführt und einen Querstabilisator zusätzlich versteift ist. Die Führung der Hinterräder übernimmt eine spur- und sturzkonstante Hinterachse, die bei allen Capri-Modellen neuerdings durch Gasdruckstoßdämpfer optimiert ist. In Verbindung mit einem Querstabilisator ergibt sich daraus ein deutlicher Zuwachs an Fahrsicherheit, Straßenlage und Kurvenstabilität. Sämtliche Capri besitzen an der Vorderachse servounterstützte Scheibenbremsen, die beim Verzögern solide Arbeit leisten […]

Der brave 1,3-Liter-Basismotor fiel der sportlichen Akzentuierung des Ford Capri zum Opfer. Das gestraffte Motorenprogramm umfasste nunmehr zwei 1,6-Liter-Reihenvierzylinder sowie drei V6-Triebwerke mit 2,0-, 2,3- und 3,0 Litern Hubraum mit einer Leistungsspanne von 68 bis 138 PS.

Weitere Modelländerungen im Jahr 1979 konzentrierten sich ebenfalls auf technischen Feinschliff an der Antriebspalette. So wurden die Zwei- und Dreiliter-V-Sechszylinder wirtschaftlicher und leistungsstärker: Der 2,0 V6 begnügt sich bei unveränderten 90 PS mit Normal- statt Superbenzin, während der 2,3 V6 mit nunmehr 114 PS (vorher: 108) das damals geltende „Reglement“ der Kfz-Versicherer konsequent ausnutzte. Auch der Dreiliter hatte etwas vorzuweisen: Er machte die 19.607,53 DM teure Capri S-Version zu Deutschlands günstigstem Angebot im Klub der 200 km/h schnellen Automobile. Im weiteren Verlauf des Jahres vergrößerte sich die Motorenpalette um einen Zweiliter-Vierzylindermotor mit 101 PS, der sich durch besonders zurückhaltenden Umgang mit dem teuren Sprit auszeichnete, zugleich aber temperamentvolle Kurventänze auf asphaltiertem Parkett begünstigte.

Zwei wahre Kracher reihten sich 1981 in die Capri-Riege ein. Im Januar erschien mit dem 2,8 Injection ein bemerkenswertes Erzeugnis des „Special Vehicle Engineering“-Entwicklungsteams, mit dem Ford an die Motorsport- und Straßenlegende 2600 RS anknüpfte. Motorisch setzte der Capri 2,8 Injection dieses Ansinnen mit einem neuen 2,8-Liter-V6-Einspritzmotor um, der stramme 160 PS sowie standesgemäße Messdaten und Fahrerlebnisse generierte. 210 km/h lautete die Tempoansage, die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h handelte der Bolide in gut acht Sekunden ab.

In Szene gesetzt wurde die für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Performance von einem modifizierten S-Fahrwerk mit verstärkten Querstabilisatoren, 205/60 VR 13-Breitreifen auf Leichtmetall-Siebenzöllern und einem Bremsdruck-Regelventil für die Hinterachse. Stilgerechte Design- und Ausstattungsdetails wie ein betont expressiver Spoilersatz, rasante Zierstreifen und ein entsprechend akzentuiertes Interieur ließen keine Zweifel an den bevorzugten Bewegungsmustern des scharfen Capri.

„Einer geht noch“, dachten dennoch die Modellstrategen und hoben im gleichen Jahr den Capri Turbo in einer limitierten Stückzahl von 200 Einheiten aus der Taufe. Unter dessen Haube pumpte das wilde, von einem KKK-Turbolader auf 188 PS aufgeblasene 2,8-Liter-V6-Vergaserherz aus der Granada-Baureihe, auf Wunsch war ein Sperrdifferenzial lieferbar. Äußerlich unterschied sich der Wildfang von seinen zahmeren Brüdern durch aerodynamisch geformte Kotflügelverbreiterungen, 235er-Bereifung sowie eine besonders effiziente Front- und Heckbespoilerung, die dem Fahrtwind auf den rechten Weg brachte. Das Ergebnis: binnen acht Sekunden auf 100 km/h und 215 km/h Spitze.

1981 fand der 2,8 Injection Aufnahme ins reguläre Modellprogramm, die Zwei- und Dreiliter-V6-Varianten traten in den Ruhestand. 1983 wurde das Antriebsprogramm noch einmal nachjustiert: Neue Einstiegsvariante war nun der 2,0 GT mit 101-PS-Vierzylindermotor, die goldene Mitte bildete der 2,3 S – wahlweise mit 114 PS starkem V6 oder Zweiliter-Vierzylinder (101 PS) –, während der 2,8 Injection die Spitze der Modellpalette markierte.

1984 schließlich leiteten die Modelle Super GT und Super Injection, das Ende einer Ära ein. Im 18. Dezember 1986 rollte der letzte von 1.900.678 Ford Capri im britischen Halewood vom Band. Und beendete ein besonders schönes Kapitel der deutschen Automobilhistorie.

02.04.2009 / Ford

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