40 Jahre Ford Capri

Ford Capri II (1974-1977)

Ein starker Auftritt in schwierigen Zeiten

[…] Mit dem jetzt vorgestellten Capri II demonstrieren Fords Konstrukteure, dass sich auch Bestseller noch verbessern lassen. Der Capri II ist eleganter, sicherer, komfortabler und auch noch praktischer als sein erfolgreicher Vorgänger, von dem in fünf Jahren über eine Million Exemplare gebaut und in alle Welt verkauft wurden. In ihm verbinden sich bewährte, millionenfach ausgereifte Technik mit modernem, funktionellen Design […]

Den besten Zeitpunkt, mögliche Kunden mit einem gezielten Herzschuss zu erlegen, hatte die Göttin der Jagd in Gestalt des Capri II (Projektname „Diana“) im Februar 1974 weiß Gott nicht erwischt. Die Ölkrise hatte im Jahr zuvor Sonntagsfahrverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen mit sich gebracht und ließ einen Wagen seines Stils fast wie eine Verirrung wirken. Dass ihm trotz des autofeindlichen Klimas Kundenherzen zuflogen, lag einfach daran, dass sich Autokäufer zu jener Zeit gern an Vernunftbeispielen orientierten, von denen der Capri II unbestritten eins war.

Wie die eingangs zitierte Presseinformation beschrieb, waren die Idee des sportlichen Familienfahrzeugs konsequent zu Ende gedacht, bewährte Techniken und funktionelles Design entsprechend weiterentwickelt und perfektioniert worden. Unschlüssige Verbraucher schlugen sich endgültig auf die Seite des Capri, als dieser mit einem umfangreichen Sicherheitspaket ausgerüstet wurde: Stahlgürtelreifen, Stabilisatoren, Scheibenbremsen, Bremskraftverstärker, heizbare Heckscheibe und elektrische Scheibenwischer befanden sich serienmäßig und an Bord.

Die Ford Capri Originalrezeptur, die der ersten Modellgeneration Ruhm, Ehre und Erfolg eingebracht hatte, zeichnete auch die Zweitauflage aus, schließlich lag in der betörenden Komposition aus Form und Funktion der Schlüssel des Erfolgs: die geschmeidige „Körpersprache“, charakterisiert durch eine lange Motorhaube, niedrige Dach- und Gürtellinien, die würzige Kürze des Heckabschlusses – und den Umstand, trotzdem ein vollwertiger Viersitzer zu sein.

Das Gesicht des „Capri zwo“ prägten Sachlichkeit und Klarheit. Großflächige, in die Karosserielinie einbezogene Rechteckscheinwerfer mit integrierten Blinkleuchten, glatte Flächen, eine kleine Erhebung in der Motorhaube, der schwarze Gittergrill und die geradlinig durchgezogene Stoßstange gaben der Wagenfront sportlichen Pfiff. Schlanke, noch weiter nach hinten gezogene Seitenfenster sorgten zudem für eine optische Streckung und ließen den Aufbau noch graziler wirken.

Und: Die Verkäufer in den Ford Autohäusern hatten jetzt ein weiteres schlagkräftiges, weil familientaugliches Argument parat:

[…] Was gleichermaßen auf Autofahrer Anziehung ausübt, ist die dritte Tür im Heck, die – von Gasdruck-Federbeinen gelupft – eine respektable Ladeluke öffnet, durch die sperriges Gut Einlass findet. Und weil zudem die Rücksitzlehnen nach vorn umzuklappen sind, lässt sich das Wort „Gepäckproblem“ aus dem Vokabular von Capri-Fahrern streichen […]

Capri-Fahrern, die „ nicht eigenhändig im voll synchronisierten Getriebe herumrühren“ wollten, stand ein neues Automatikgetriebe („C3“) zur Wahl, das speziell auf „Wagen im Europaformat“ zugeschnitten war. Der Selbstschalter war leichtgewichtig, zeichnete sich durch einen hervorragenden Wirkungsgrad aus und machte den Capri II um einiges temperamentvoller als das entsprechend ausgerüstete Vorgängermodell – ohne mehr Benzin zu schlucken.

Auch im Innenraum hatten die Designer und Ergonomen Hand angelegt. Sportlich konturierte „Schalensitze“, wie sie damals genannt wurden, gewährten bei entsprechender Fahrweise zusätzlichen Seitenhalt. Auch ins Fahrwerk waren die Erfahrungen aus der ersten Capri Generation Gewinn bringend eingeflossen: Eine Spurverbreiterung an der Hinterachse sowie überarbeitete Feder- und Dämpferabstimmungen verbesserten die Straßenlage und mit ihr den Spaßfaktor.

Das Motorenprogramm der Zweitauflage entsprach weitgehend dem der Generation I . Den Part des gemütlich temperierten 1,3-Liter-Einsteigers übernahm nun allerdings das aus dem Ford Escort bekannte OHV-Triebwerk. Darüber rangierten in der Leistungshierarchie die bekannten 1,6-Liter-Allrounder mit 68, 72 und 88 PS. Der 2600 GT wurde aus dem Programm genommen.

Wohldosierte Leistungsüberschüsse im Verein mit der V6-typisch federnden Gangart verschafften die beiden Sechszylinder mit 2,3 Liter Hubraum und 108 PS sowie der 3,0-Liter-„Essex“-Motor, der nun 138 statt 140 PS entwickelte. Bei allem Enthusiasmus kam der Ford typische Kundennutzen nicht zu kurz: A ls erster und bis dato einziger Autohersteller auf dem deutschen Markt verdoppelte man die Neuwagengarantie auf ein Jahr oder 20.000 Kilometer, was den Eindruck von Qualität, Solidität und Verlässlichkeit des Angebots untermauerte.

1976 wurde die Capri II-Modellpalette grundlegend neu aufgestellt. Neben Modifikationen an Ausstattungsstruktur und verschiedenen Innenraumdetails ersetzte ein 2,0-Liter-V6-Motor mit 90 PS die 1600er-Version mit 88 PS und erwies sich als Volltreffer. Seine Kombination aus Laufkultur, Dynamik, akzeptablem Verbrauch und hoher Zuverlässigkeit harmoniert nicht nur prächtig mit dem Charakter des Capri, sondern auch mit den Erwartungen der Käufer.

Als Ersatz für die bisherige GT-Variante kommt außerdem der Capri S neu ins Programm, ein „Leistungssportler mit der Vernunft eines Ford“ , der die spezifischen Reize des Capri Konzepts fokussiert und auf den Punkt bringt:
[…] Mit seinem Dreiliter-Sechszylindertriebwerk provoziert er doppelt so teure Sechszylinder-Coupés: Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden, Spitze 198 km/h. Wobei die Werte selbst weniger beeindruckend sind als die Art, wie dieses großvolumige, aus dem Vollen schöpfende Triebwerk Leistung produziert […] .

Das sportlich gestraffte Fahrwerk des Capri S verfügte über speziell abgestimmte Gasdruckstoßdämpfer sowie weitere Verfeinerungen, die auf den jahrelangen Rennsporterfahrungen von Ford aufbauten.

Markante Stylingänderungen wie der markante Frontspoiler und diverse Stylingzutaten rundeten das sportliche Profil des „S“ ab. Der übrigens nicht nur mit dem Dreiliter-Toptriebwerk zu haben war, sondern auch mit den beiden kleineren, 90 und 108 PS starken V-„Sechsern“.

So setzte die zweite Capri Generation den Erfolg der ersten fort und präsentierte am Ende ihres Modellzyklus eine Zwischenbilanz, die sich sehen lassen konnte: Über 1,5 Millionen Ford Capri der Generationen I und II waren im Zeitraum 1969 bis 1977 gebaut worden.

1976 wurde die Produktion des Ford Capri in England eingestellt und das Fahrzeug vom amerikanischen Markt genommen. Selbst im dortigen Stammrevier des amerikanischen Vetters und „Mit-Inspirators“ Ford Mustang, wo das Tempo zwar limitiert, die Möglichkeiten jedoch unbegrenzt sind, hat er sich bewährt.

02.04.2009 / Ford

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