40 Jahre Ford Capri

Ford Capri I (1969-1973)

Ein außergewöhnliches Fahrzeug für einen gewöhnlichen Markt …

… lautete die Überschrift einer Pressemitteilung, mit der die Medien auf das Erscheinen der ersten Ford Capri-Generation eingestimmt wurden:

[…] Form, Größe und Fahrleistungen dieses Wagens vereinigen sich zu einem neuartigen Begriff der Sportlichkeit. Denn der Capri ist weder ein Kompromiss zwischen Sportwagen und Familienwagen, noch ist er eine abgewandelte Limousine. Er ist, vereinfacht ausgedrückt, ein mittelgroßes Fastback-Coupé von äußerst ansprechender, sportlicher Form. Dabei ist er, gemessen an Sportwagen-Standards, überaus geräumig – er bietet Platz für vier Personen und ihr Gepäck –, und hat dennoch viele der Eigenschaften, die einen echten Sportwagen auszeichnen. Bis auf den Preis […]

Die Frage der Positionierung und Zielgruppendefinition wurde im gleichen Atemzug vorweggenommen …

[…] Schon wieder ein neues Modell! Wen soll dieser Wagen ansprechen, welche Marktlücke soll er schließen und welchem Konkurrenten soll er Paroli bieten? So mögen Konsumenten, Experten der Automobilpresse und Marktbeobachter fragen […]

… und sodann präzise beantwortet:

[…] Nun, natürlich ist der Capri ein neues Modell. Aber es löst kein anderes ab. Dieser Wagen ist einfach neuartig – konzipiert, um eine breitere Käuferschicht aus allen Einkommensklassen zu erfassen, die sowohl Wert auf Komfort als auch Sportlichkeit legt. Und, schließlich, soll er auch keinem Konkurrenten Paroli bieten – der Capri ist konkurrenzlos […]

Nach eingehenden Marktforschungen kalkulierten die Ford Modellplaner mit einem deutlich überwiegenden Anteil junger Käufer in einer Altersspanne von 18 bis 29 Jahren, beschwichtigten aber zugleich die reiferen Jahrgänge:

[…] Ist deshalb ein 35-, 45- oder 55-jähriger Fahrer für den Ford Capri zu alt? Keineswegs! Auch oder vielleicht gerade vermittelt der Capri dem, sagen wir, gesetzteren Fahrer eine sehr persönliche Freude am Fahren. Der gereifte Autofahrer kauft heute einen Wagen, der schick, patent und sportlich – eben im Stil der Zeit – sein muss. Der Capri erfüllt diese Anforderungen gewissenhaft […]

Natürlich vergaß man nicht, den Familien- und Nutzwert des Neulings gebührend herauszustreichen:

[…] Er tut noch ein Übriges: Er ist, bei aller Sportlichkeit, auch reisetüchtig. Vier Plätze, ein großer Kofferraum und eine komfortable Ausstattung zeugen davon […]

Seine internationale Publikumspremiere gab der flotte Kölner im Januar 1969 auf dem Brüsseler Automobilsalon. Am 21. des gleichen Monats wurde er in der Bonner Beethovenhalle der internationalen Presse vorgestellt, bevor er am 5. Februar dort auftauchte, wo Verkaufserfolge gemacht werden: in den Showrooms der Ford Händler. Der Capri, der ursprünglich Colt hätte heißen sollen (der Name war von Mitsubishi besetzt), war im Volk angekommen.

Capri 1300, Capri 1500, Capri 1700 GT, Capri 2000, Capri 2300 GT: Fünf Modell- beziehungsweise Motorvarianten standen zur Markteinführung zur Wahl, bis zum 1700er-Format in V4-, darüber in V6-Bauart. Letztere identifizierten Kenner der Materie an einer charakteristischen Ausbuchtung in der Motorhaube, dem „Power-Buckel“. Die Triebwerke boten ein Leistungsspektrum von 50 bis 108 PS und ließen den Capri je nach Ausführung in verträumten 22,7 Sekunden (1300) bis sportlichen 10,8 (2300 GT) Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und Reisegeschwindigkeiten zwischen 133 und 178 km/h erzielen.

Als atemberaubend erwies sich nicht nur die Optik des Autos, sondern auch sein Preis: 6.995 DM wurden für die Basisversion mit 1,3-Liter-Motor aufgerufen – eine glatte Sensation!

Im Herbst 1969 gesellte sich mit dem Capri 2300 GT ein Modell hinzu, das es mit „scharfer“ Nockenwelle, Doppelrohrauspuff sowie diversen Modifikationen an Zündung und Vergaser auf 125 PS brachte. Für damalige Verhältnisse war das ein ganz heißer Ofen, der es in der Sprintdisziplin auf sportwagenrelevante 9,8 Sekunden und ein maximales Marschtempo von 190 km/h brachte. Zu Recht bezeichnete man ihn deswegen als Hochleistungsversion.

Die Kombination von sportlichem Anspruch und automatischem Schalten stellte für die innovationsfreudigen Ford Ingenieure schon damals keine Grenzverletzung zwischen Macho-Land und dem Territorium der Turnbeutelvergesser und Kamillenteetrinker dar: Als Alternative zum standardmäßigen Viergang-Handschalter wurde für alle Ford Capri (einzige Ausnahme: der 1300er) ein automatisches Dreistufengetriebe offeriert.

Mit der Ur-Idee des Plattformkonzepts hantierten die findigen Capri-Entwickler ebenfalls zu einer Zeit, in der dieser Begriff wohl vorwiegend mit maritimer Ölförderung in Verbindung gebracht wurde. Denn die Fahrwerkstechnik mit McPherson-Federbein-Vorderachse und einer starren Hinterachse an Halbelliptik-Längsblattfedern übernahmen sie im Prinzip unverändert vom braveren Bruder, dem Ford Taunus.

Zudem gerierte sich der Ford Capri schon damals, obschon ein „Spätsechziger“, als Europäer moderneren Zuschnitts. Gebaut wurde er nämlich nicht nur im Kölner Ford Stammwerk Niehl (wo 86 Millionen DM in neue Produktionsanlagen investiert wurden), sondern auch im englischen Halewood, wo ihm Motoren aus dem britischen Ford Programm eingepflanzt wurden. Laut Ford war die flotte Kölner Flunder damit „ kein nationaler Wagen mit zusätzlichen Exporten, sondern ein kontinentaler Wagen unter Ausschöpfung aller nationalen Vorteile in Herstellung und Vertrieb.“

Der kontinentale Wagen mit den Kölschen Wurzeln stürmte binnen kürzester Zeit die Herzen seiner Zielgruppe, und schon zur Frankfurter IAA 1969 konnte Ford mit Stolz vermelden:

[…] Inzwischen sind in Köln rund 75000 Capris gebaut worden. Und obwohl die Produktion dieses Modells seit Januar ständig erhöht wurde, gelang es nicht, mit der ungewöhnlich lebhaften Nachfrage Schritt zu halten […]

Das sollte so bleiben. Denn bis zum Ende ihrer fünfjährigen Laufzeit produzierte die Ford Capri „Serie I“ neben Fahrfreude auch imponierendes Zahlenwerk: Insgesamt 784.000 Einheiten waren von 1969 bis einschließlich 1973 in Deutschland gebaut worden, von denen 244.000 auf dem Heimatmarkt einen Abnehmer fanden.

1973, das letzte Jahr von Generation I, wurde zum erfolgreichsten Jahr der Capri-Historie überhaupt. Denn im August hieß es „Willkommen im Klub der Millionäre“: das 1.000.000-ste Exemplar war vom Band gerollt.

Bis es aber soweit war, flossen noch diverse Modifikationen und Modellpflegemaßnahmen in die Serie ein – zum Beispiel optische Retuschen und der Ersatz der 125 PS starken V6-Variante 2300 GT (zum Modelljahr 1971) durch die PS-mäßig identische Ausführung 2600 GT.

Der Capri schlechthin aus der Sicht von Enthusiasten, Puristen, Fans und Motorsportlern war jedoch der 1970 vorgestellte 2600 RS, das bis dato sportlichste Auto der Kölner überhaupt. Für 15.800 DM bekam man ein Fahrzeug an die Hand – gerüstet mit Kugelfischer-Einspritzung, Sportfahrwerk und 150 munteren Pferden unter der mattschwarzen Motorhaube –, dessen markantes Doppelscheinwerfer-Gesicht auf Augenhöhe der damaligen Porsche-Phalanx auftauchte. Eine Homologationsauflage von tausend Einheiten für den Motorsport, bestückt mit Magnesiumfelgen, Plexiglasscheiben und Kunststofftüren, legte denn auch den Grundstein für eine außergewöhnliche Rennkarriere (siehe: Der Ford Capri im Motorsport).

Zum Modelljahr 1973 gab es ein Facelift mit diversen Verfeinerungen, Verschönerungen und Verbesserungen wie neue Rechteck- und Doppelscheinwerfer, großflächige Rückleuchten, Änderungen bei der Innenausstattung und einer überarbeiteten Fahrwerksabstimmung.

Durch das Motorenprogramm hatte man ebenfalls frischen Wind geblasen: Die V4-Motoren wurden durch 1,3- und 1,6-Liter-Reihenvierzylinder mit 55 und 72 PS beziehungsweise 88 PS aus dem Ford Taunus-Programm ersetzt. Und der 140 PS starke 3,0-Liter-V6, der bereits im Granada und Consul GT seine Feuertaufe bestanden hatte, war nun auch für die deutschen Capri-Modelle verfügbar.

02.04.2009 / Ford

Ford FanAward 2015
© 2020 Stefan Klausmeyer